Überrascht vom Leben
Überrascht von Gott

Predigten 2021-

Gefahrenzone Mensch-Predigt über 1. Mose 4,1-16
- Alles hat seine Zeit- Prediger 3 mit Gedanken dazu - Hauskreis
- Gott mittendrin im Leben und Sterben - Jes.38,38,9-20-Predigt
- Psalm 85 - von Gott geküsst- Predigt Nov 2021




 

Pslam 85, 1-14      Predigt   Nov.21

Vor dem Gottesdienst wird der Gemeinde der Text des 85. Psalms verteilt, mit der hilfreichen Glierung in vier Absätze.

 

Gott und Mensch- mit finalem Kuss-Happyend!! einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte?

Ein Gebet. Ein musikalisches Gedicht. Der 85. Psalm wird uns heute für die Auslegung vorgeschlagen.  Lesen wir gemeinsam:
Ps 85 1-14

Herr, du hast dein Land wieder lieb gewonnen

und das Schicksal Jakobs zum Guten gewendet.

Du hast deinem Volk die Schuld vergeben

und alle Sünden hast du ihm verziehen.

Du hast deinen ganzen Ärger aufgegeben

und deinen glühenden Zorn verrauchen lassen.

Der Psalmist schaut zurück auf die Befreiung Israels aus Ägypten. Als völlig unverdiente Gnade empfindet er diese Befreiung. Nur Gott ist hier der Einzig-Handelnde. Der Beter ist sogar überzeugt davon, dass die wohlverdiente Konsequenz aus dem Verhalten der Nachkommen Jakobs ein Verbleiben in Unfreiheit gewesen wäre. Doch Gott handelte unfassbar gnädig.                                       
Hier Schuld, wie durch Menschen verursachtes Leiden und Sünden, die Gott scheinbar mächtig ärgern!!! Sein Zorn darüber ist glühend. Gott hasst die ganzen Ungerechtigkeiten und die maßlose Überschätzung des Menschen. Aber scheinbar grundlos verzichtet Gott auf Rache und führt es zum Guten. Völlig unverdient wendet sich ein böses Schicksal aber zum Guten und Menschen erleben Segen. Das wird die Erfahrung von vielen sein. Welch schönes Bild: Gott ist bedingungslos barmherzig:

Die Rechnung des Psalmisten ist bemerkenswert:                                                                  
Du hast deinem Volk die Schuld vergeben                                                                                           und alle Sünden hast du ihm verziehen.                                                                        
Du hast deinen ganzen Ärger aufgegeben                                                                  
und deinen glühenden Zorn verrauchen lassen

Verbrecher: totale Begnadigung! Freispruch erste Güte

Gnade unmöglich, ins Gefängnis werfen oder Gnade, unmöglich ins Gefängnis werfen
Happy End?  Schluss Kuss und fertig-der Vorhang fällt.
Leider nicht……

Lesen wir gemeinsam:                                                                                                    
Gott, du bist unsere Hilfe, stell uns wieder her!                                                            
Sei nicht länger so aufgebracht gegen uns!                                                            
Willst du denn für immer auf uns zornig sein?                                                             
Soll sich dein Zorn noch ausdehnen                                                                        
von der einen Generation auf die andere?

Willst du uns nicht wieder neues Leben schenken?

Dann wird sich dein Volk über dich freuen.

Herr, lass uns doch deine Güte erfahren!

Wir brauchen deine Hilfe, gib sie uns!

Nun steckt der Psalmist und mit ihm das ganze Land offenbar erneut in einer vergleichbaren Situation und derselben Krise. Das Volk leidet, aber der Beter macht Gott keine Vorwürfe, sondern er ist sich bewusst, dass man eigentlich nur das erntet, was man gesät hat. Dankbar. So beginnt also unser Gebet. Dankbar und Staunen für das Gute, das Gott bereits getan hat. Gott war nicht nur fern.

Hier spricht der Psalmist von einem Gott und dem Volk, dass nicht mehr auf Augenhöhe sind.                                                                                                      
Jetzt ist ein Mensch nach einer Erfolgs Story wieder in der Sackgasse seines Lebens angekommen oder gelandet. Seine Gefühle brechen aus. Es sah doch alles so gut aus……hat Gott seine Meinung geändert? Ist ihm nicht bewusst, dass der Mensch schwächelt und in alte Gewohnheiten zurückfällt? Schnell undankbar wird und übermütig.

Wieder meint der Psalmist Gott sei aufgebracht gegen ihn und sein Volk. Alles klingt so hoffnungslos. Lass uns nicht fallen Gott!  Auch wenn wir nicht perfekt sind und unsere eigenen Wege suchen. Gibt es Versöhnung, gibt es erneute Gnade? Oder sind wir allem Schicksalen doch schlussendlich hilflos ausgeliefert?

Auch wir leben in einer Zeit der Angst und gewaltigen Veränderungen. Die Covid-19-Pandemie ist noch längst nicht überwunden. Die autoritären Kräfte sind weiter stark, die unsere freiheitliche Demokratie unterhöhlen.  Dazu mehr als 80 Millionen Menschen auf der Flucht.                                  
Viele sitzen verzweifelt an den Grenzen der EU fest oder leben in Flüchtlingscamps in unwürdigen Verhältnissen in aller Welt. Die Kirchen leeren sich, die Menschen wenden sich von ihr enttäuscht ab, weil glaubwürdige Antworten fehlen. Und gefährlicher, mächtiger als alles erleben wir, wie wir Menschen unsere eigene Lebenswelt zerstören.                                                                                                 
Was ist unser Fundament? Was und wer gibt Werte in der Gesellschaft, dass sie nicht auseinanderbricht? Wer bestimmt die Richtung? Die Sorge wächst. Und auch das Gefühl der eigenen Hilflosigkeit. 

Und es ist auch mein eigenes Gebet, wie von den Psalmisten:

Wir brauchen deine Hilfe, Gott, gib sie uns! Wir brauchen deinen Rat

Dann denke ich an meinen Hochzeitsspruch, der passt und mir Halt gibt:

„Sein Rat ist wunderbar und er führt es herrlich hinaus“ Jesaja 28

 

Dann fasse ich Mut, weil ich weiß ich kann mit meinen Fragen, Nöten und Schuld zu Gott kommen und kann mich an Gott erfreuen. Wann habe ich mich zuletzt an Gott erfreut? Ich will mich freuen, dass Er ist der beste Ratgeber ist, der den besten Überblick und Durchblick hat. Sie kennen alle das kürzeste Gebet: Herr hilf! Bei ihm ist Hilfe!!  Er sieht weiter als meinen kleinen Horizont. Sieht meinen Anfang und mein Ende. Dieses Wissen könnte uns doch zu einer heiteren Gelassenheit führen?

 

Beten wir weiter:
Ich will hören, was Gott zu sagen hat.
Der Herr redet vom Frieden.
Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.
Doch sie sollen nicht mehr zurückkehren
zu den Dummheiten der Vergangenheit!

Ich will hören!  Manche Eltern wären froh, wenn das ihr Kind zu ihnen sagen würde!

Ich will hören!  Wann habe ich das zuletzt zu Gott gesagt. Ich merke, was mir fehlt! Ich muss lernen zu hören.

 Ein hörendes Gebet ist Voraussetzung, dass Gott zu mir redet

 

Und was höre ich?

Gott redet nicht von Krieg, Kampf, Rache, Unterwerfung, Vernichtung

Nein- Unser Gott redet vom Frieden!!

Ja, Gott spricht wirklich. Und er hat eine ganz konkrete Botschaft: Der Herr redet vom Frieden.  Darum geht es vor allem: Frieden. Frieden ist das, was Gott für diese Welt will.

Es ist nicht der Frieden, der von Abwesenheit vom Krieg spricht. Shalom:

Umfassender Frieden und Heil. Ein Frieden, den nur Gott geben kann und den Menschen innerlich heil macht und seine Beziehungen.

-Wenn wir keinen Frieden haben, liegt es daran, dass wir vergessen haben, dass wir zusammen gehören. Mutter Teresa

-  Mache mich zum Werkzeug deines Friedens -Franz von Assi

 

 Ich soll im Frieden leben. Mit meinen Mitmenschen. Mit meiner Lebenswelt. Mit mir selbst. Und in alledem: im Frieden mit Gott. Ohne Frieden sind alle anderen Träume wertlos. – aber ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden

Aber dabei höre ich auch eine Aufgabe: Ich soll die Haltung Jesus lernen und nicht zurückkehren zu den Dummheiten der Vergangenheit. Zu den Egoismen, die den eigenen Frieden gefährden. Verzicht auf Rache, Verzicht auf Vergeltung. Verzicht auf Neid, Gier und Vergleichen.  

Dummheiten der Vergangenheit? oh ja. Aber was sind meine Dummheiten, meine Irrtümer der Vergangenheit? Wo bin ich Herbert vielleicht begriffsstutzig? Tappe immer in dieselbe Falle.  Bin ich bereit zu lernen aus meinen Fehlern? Wir wissen alle: Sie sollten Vergangenheit sein. Der Großvater meiner Frau sagte immer: Bibellesen macht klug und bewahrt einem vor Dummheiten. Ich glaube, er hat recht!!.

Wenn wir das Gebet abschließen, dann bekommen wir ganz greifbare Hinweise, worauf es neben dem Hören noch ankommt. Güte und Treue, Gerechtigkeit und Friede. Lesen wir gemeinsam:

 Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die ihm fürchten.

Dann wohnt seine Herrlichkeit wieder in unserem Land:

Güte und Treue finden zueinander.

Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.

Treue wächst aus der Erde empor.

Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.

Auch schenkt uns der Herr viel Gutes,

und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.

Gerechtigkeit zieht vor ihm her                                                                                                       
 und bestimmt die Richtung seiner Schritte.

 

Aber es gibt noch ein Geheimnis und das hat offensichtlich der Psalmist entdeckt:                             
Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die zu ihm fürchten. Hier geht es nicht um Angst vor zu Gott haben, sondern um eine innere Haltung Gott gegenüber: die Ehrfurcht- ihm die ganze Ehre geben, die Achtung, Demut, Anerkennung. Diese Haltung bringt uns Gott nah und seiner Hilfe und das hat große Auswirkungen.

 

Es klingt wie eine hoffnungsvolle großartige Liebesgeschichte:

Dann nämlich: Güte und Treue finden zueinander, umarmen sich, können nicht ohne den anderen

Gerechtigkeit und Frieden küssen sich, auch sie können nicht ohne den anderen. Dieser leidenschaftliche Kuss zwischen Gerechtigkeit und Frieden. Ich stelle ihn mir vor.

Das klingt großartig, ja, ohne diese 4 Tugenden Gerechtigkeit, Treue, Güte und Frieden geht es nicht in der Welt. Wo eines fehlt, wird es finster in der Welt.  Aber es ist keine menschliche Leistung!

Es muss uns geschenkt werden!

Wir lesen:

Treue wächst aus der Erde empor.

Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.

Auch schenkt uns der Herr viel Gutes

 

Das ist der Punkt: Gott ist der Spender dieser Gaben und verschenkt sie überaus großzügig, maßlos

 

Das größte Geschenk der Menschheitsgeschichte wird, Gott selbst sein,

-bald feiern wir es wieder- das Kind in der Krippe-

Er schenkt der geplagten verirrten und verlorenen Menschheit seinen Sohn und hat durch seinen Tod die Welt mich sich versöhnt,

Jetzt ist Treue, Güte, Gerechtigkeit und Frieden keine fromme Illusion mehr, sondern durch unsere Begegnung und Beziehung mit ihm wachsen diese Früchte in mir und in der Gemeinde hoffentlich mitten unter uns.  Da wäre Kirche ein Anziehungspunkt und hätte Kraft.

Jesus Christus aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort.“ —  Paulus  2Th, 2, 16-17]

 

 

Deswegen hat die Welt, die Kirche und ich Zukunft. Weil Gott noch längst nicht fertig ist mit mir, mit Dir und Ihnen und mit der ganzen Welt. Es klingt wie eine Liebesgeschichte zwischen Gott und uns. Ja, es ist Eine: Wie Jesus uns liebt, ist eine himmlische Liebe, eine leidenschaftliche Liebe, sie ist nicht von dieser Welt. Es ist so als würde Gott und seine Menschheit sich küssen. Er kann nicht ohne uns und wir nicht ohne ihn     Amen-




Predigt: Gott Mittendrin im Leben und Sterben- Jes. 38, 9-20

Liebe Gemeinde,

wie oft erleben wir, wenn wir uns mit einem biblischen Tex t beschäftigen, wie nah er uns kommt.Gefährlich nah, weil er viel mit unserem Leben zu tun hat. Der heutige Predigttext fällt mitten in eine Situation, die passend nicht sein könnte.

Meine liebe Schwiegermutter Heidegard liegt im Sterben. Ihr Leiden ist unerträglich! Die Krebserkrankung ist weit fortgeschritten und raubt ihr alle Kräfte.  In den nächsten Tagen wird sie sich auf eine Reise begeben und von Gott mit offenen Armen empfangen werden. Schon einmal vor 9 Jahren bedrohte dieser Krebs ihr Leben und wurde durch eine erfolgreiche Chemotherapie und Bestrahlung besiegt. acht lange erfüllte Jahre wurden ihrem Leben dazugefügt. Wir sind alle sehr dankbar darüber. Nun ist dieser schlimme Krebs zurückgekommen und wird diesmal gewinnen.

Aber Gott ist da, mitten im Leben und auch mitten im Sterben.                                                
Viele von uns kennen diese Erfahrung des Leidens und loslassen: Haben selbst mit einer hartnäckigen Krankheit zu kämpfen, kennen den Schmerz um ein verstorbenes Familienmitglied oder Freund oder Freundin. Einer dieser unzähligen Erfahrungen um Tod und Leben ist ausgerechnet heute der Predigttext. Es ist das Erleben eines Mannes Namens Hiskia. Er ist zur Zeit des Propheten Jesaja König von Juda und kämpft mit einer tödlichen Erkrankung.

Der Prophet Jesaja ist völlig nüchtern und pragmatisch. Sein Rat und seine Diagnose zu den verzweifelten Hiskia lautet kurz und knapp: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben!          
Es geht auch anders: Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich möchte bloß nicht dabei sein, wenn es passiert, sagt Woody Ellen. Keine gute Idee, aber irgendwie verständlich. Sterben wird verdrängt. Aber nur wer bereit ist zu sterben, kann auch bereit sein für das Leben.

Hiskia bricht zusammen und fleht im Gebet zu Gott um Schonung und Heilung. Es wird ihm gewährt. Noch lange 15 erfüllte Jahre kann er seinem Leben dazu fügen. Welch ein Geschenk. Sein Danklied findet sich wieder im Prophetenbuch Jesaja. (600 Jahre vor Christus)                                                                                             
Ich lese den Text der Predigt:  
Jesaja 38,9-20

9 Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war: 10 Ich sprach: In der Mitte meines Lebens muss ich dahinfahren, zu des Totenreichs Pforten bin ich befohlen für den Rest meiner Jahre.                                       

Ich sprach: Nun werde ich nicht mehr sehen den HERRN, ja, den HERRN im Lande der Lebendigen, nicht mehr schauen die Menschen, mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt habe ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden.             
Tag und Nacht gibst du mich preis; bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und Nacht gibst du mich preis. Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein!                                                                      

 Was soll ich reden und was ihm sagen? Er hat's getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele. 16 Herr, davon lebt man, und allein darin liegt meines Lebens Kraft:

Dann eine überraschende Wendung in Text:
Du lässt mich genesen und am Leben bleiben. 17 Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. 18 Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; 19 sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. 20 Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

Jeder von uns wird im Leiden oder am Ende seines Lebens sein eigenes Klagelied oder Dankeslied schreiben. Jedes Leiden, jede Erkrankung, jedes Leben, jedes Sterben hat sein eigenes Drehbuch. Jeder wünscht sich ein happy end: Als Krankenpfleger kann ich das nur bestätigen.               
Hiskia, der mächtigste Mann in Juda war so schwer erkrank, dass der Prophet Jesaja ihm empfahl: Bestelle dein Ha
us– im Klartext: Das wird nichts mehr; lass die Hoffnung fahren! Der Erfolgreiche kurz vor seinem Ende. Was nutzte es ihm, dass zuvor alles gut ging? Jetzt versinkt dieser Mann in Traurigkeit und Angst. Hiskia denkt über seine scheinbar letzten Tage ganz neu nach – über das Gewesene wie das zu Erwartende. Aus seiner Betrachtung des Leidens wird ein Gebet.                

Er hat seinem Gott immer gedient, ein Leben unter ihm geführt, so trägt er das, was ihn jetzt quält, vor Gott. „Mein Lebenshaus ist eine zusammengefallende Hütte geworden, wie ein Webstoff, der durchgeschnitten wird.“ So umschreibt er bildlich seine Lage. Ja, er beklagt sogar Gott als Ursache seines Leidens: Was soll ich reden und was ihm sagen? Er hat's getan! Es ist die Sprachlosigkeit im Angesicht des Todes und die 1000-fache Frage: Wie kann Gott das zulassen?

Und nach schlaflosen Nächten ruft er bis zum Morgen zu Gott; wo bleibt denn seine Antwort? Seine Verstörung steigert sich: Gott selber erlebt er wie einen Löwen, der seine Knochen zermalmt. Sein Leben, wie an Mächte preisgegeben – was wird nur aus ihm?                                                                                                                      
Wird der Blick vor Leid getrübt, so versucht er wenigstens nach oben Ausschau zu halten: Wo ist Gott, der helfen kann? Ist das aber auch für uns als Christen eine Grunderfahrung: Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein!

-Gott sei mitten in meinen Leben, aber bitte sei auch mitten in meinen Leid.

Sei mein Hirte, wie es David im Psalm 23 beschreibt. „Weide mich auf grünen Auen und führe mich zu frischem Wasser“.  Aber es wird bedrohlicher und es ist eine Erfahrung, die jeder durchleben muss: „und wenn ich auch wandere im Tale des Todes,..-keiner will es gerne!! Aber David gibt eine Antwort, die erstaunlich ist: …fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. „

Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Unsere Blicke gehen nach oben: zu den Gekreuzigten, der dem Leid und dem Tod dem Schrecken und die Macht genommen hat und mit uns das Leiden durchlebt. Leiden und sterben müssen auch wir, aber Er bleibt an unserer Seite, auch mitten im Sterben.

Die Frage warum dieses sinnlose Leiden kann ich nicht beantworten, aber mit dem Text Dietrich Bonhoeffer wird uns eine neue Tür geöffnet:                         
Von guten Mächten treu und still umgeben
Behütet und getröstet wunderbar
So will ich diese Tage mit euch leben

Und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das Alte unsre Herzen quälen
Noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
Das Heil, für das du uns bereitet hast..
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz
Dann wolln wir des Vergangenen gedenken
Und dann gehört dir unser Leben ganz.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen-
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Gott ist mittendrin in unserem Leben und mittendrin im Sterben.

Es gibt eine Lebenswahrheit:  Ich muss sterben!

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Psalm 90.12

Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben-sagt Jesaja dem Hiskias
Das sind unsere Hausaufgaben zu Lebzeiten: das Haus bestellen. das heißt für mich: klug leben und handeln -meine Beziehungen festigen und klären, auch meine Beziehung zu Gott, versöhnt leben, wofür investiere ich meine Zeit, meine Kraft, mein Geld? das Wichtigste ordnen, was nützt? was nicht? meinen Leben Tiefe und Sinn geben, Wir müssen unser Leben vom Tod herdenken und leben und den Tagen Inhalt und Sinn geben.

Meine liebe Schwiegermutter Heidegard hat ihr Haus bestellt, mit Gott, mit sich und der Familie im Reinen. Voller Hoffnung, voller Erwartung auf das Neue, das kommen wird….Sie hat leise und traurig Abschied genommen von uns. Viele liebe Menschen haben in den letzten Tagen und Wochen Heidegard besucht und sich von ihr verabschiedet.  Ihre Zuneigung gezeigt. Tränen sind geflossen. Am letzten Donnerstag konnte sie am Bett das Abendmahl mit Pfr. Benjamin Lorenz und Familie zusammen feiern. Mit den Wein habe ich ihre Lippen benetzt. Sie kann kaum noch trinken. Sie hat sich das Lied „von guten Mächten wunderbar geborgen“ gewünscht. So haben es ihr vorgesungen Es war so feierlich, ein Glanz in dem Zimmer, so friedlich- Gott mitten unter uns. Seit Freitag wird sie immer schwächer. Alles darf seinen Weg gehen. Es sind die Lebenden, die den Sterbenden die Augen schließen, und die Sterbenden, die den Lebenden die Augen öffnen.“

Hiskias atmet auf. Er darf leben, er ist gesund geworden. Die Erfahrung der Machtlosigkeit gegenüber deiner todbringenden Krankheit hat ihn dankbar und klüger gemacht. 15 Jahre regiert er weise das Geschick seines Volkes weiter.                    
Mit einer Erfahrung aus seinem Danklied will ich enden: 17 Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.

Dass hat Hiskia in seiner Krankheit als Gewinn gefunden und es darf über jedes Leben stehen. „Siehe ich hatte große Angst, wer soll mich trösten und mir Halt und Hoffnung geben? “Du aber Gott- hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass ich nicht verloren gehe. Du Gott wirfst alle meine Fehler und Sünden hinter dich- bei dir finde ich Vergebung.“- großartig!

Was bleibt am Ende: Jesus wird uns nie verlassen, nicht im Leben, nicht im Leiden und nicht im Sterben-Er ist Mittendrin und nimmt mich und dich in seiner grenzenlosen Liebe und Zuneigung an. Welch ein Trost!!! So kann man leben!!! Und auch einmal sterben!

Amen

 






Hauskreisthema: Alles hat seine Zeit…….  Okt.21

Prediger - Kapitel 3

Alles hat seine Zeit

1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.2 Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist, 3 würgen und heilen, brechen und bauen, 4 weinen und lachen, klagen und tanzen, 5 Stein zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen, 6 suchen und verlieren, behalten und wegwerfen, 7 zerreißen und zunähen, schweigen und reden, 8 lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit. 9 Man arbeite, wie man will, so hat man doch keinen Gewinn davon.
10 Ich sah die Mühe, die Gott den Menschen gegeben hat, daß sie darin geplagt werden.
11 Er aber tut alles fein zu seiner Zeit und läßt ihr Herz sich ängsten, wie es gehen solle in der Welt; denn der Mensch kann doch nicht treffen das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. 12 Darum merkte ich, daß nichts Besseres darin ist denn fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. 13 Denn ein jeglicher Mensch, der da ißt und trinkt und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gottes. 

Alles ist einem ewigen Wechsel unterworfen (auch gibt es immer einen Kontrast:): »Auf Regen folgt Sonnenschein« und »Nach jeder Ebbe kommt die Flut«. Man könnte auch sagen, nichts existiert ohne sein Gegenteil: »Kein Licht ohne Schatten.« Wer das akzeptiert, findet zu einer Art heiteren Gelassenheit. Er vergeudet keine Lebenskräfte, indem er sich nutzlos aufregt und ereifert. Die großen Dinge kann ich sowieso nicht beeinflussen! (Geburt, Tod, Krankheit) Er weiß, dass vieles nicht in seiner Hand liegt.

So ähnlich steht es auch weiter unten im Bibeltext: »Darum merkte ich, daß nichts Besseres darin ist denn fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeglicher Mensch, der da ißt und trinkt und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gottes.« (V.12+13)                                                                           
Du kannst das Leben nur spielen, sagt ein bekannter Psychologe Dieter Lange. Du kannst die Spiele des Lebens nicht gewinnen, du kannst sie nur spielen. Wir tun alles um auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, aber das Drama: Du bekommst die Sonnenseite nicht ohne die andere Seite. Ebbe und Flut. Gesund definiert sich über Abwesenheit von Krankheit. Krankheit wird es immer geben. Groß und Klein, gerecht und ungerecht, dick und dünn usw.                                                                                                                                             
Wenn wir einen Pol betonen, wächst der andere Pol mit. Strom fließt nur wenn du einen Minus und Plus-Pol hast. Du würdest nicht den Begriff Frieden benützen, wenn es keine Krieg geben würde. Höllerich sagt: Wo die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch. Wir bekommen nicht nur das Eine.

Ein- und wie willst du weitergehen- du musst wieder ausatmen
Raum und Zeit sind auch Teile dieser Täuschung. Münze- du wirst nie gleichseitig Zahl oder Kopf sehen, aber beides ist da. Wenn hier Tag ist, ist in Australien Nacht - gleichzeitig! Da gibt es den Erfolgreichen, er sieht nicht die Niederlagen. Erfolgreich, aber er hatte hauch einen Herzinfarkt, Ehe geschieden, Bypass-Op, Kinder drogenabhängig. Aber erkennt seinen Irrtum-kümmert sich jetzt um seine Familie, um sein Hobby, weiß wer seine wahren Freunde sind.
Wenn jemand sagt, er war erfolgreich oder es ist zum Glück gelungen, dann hör genau hin: Wenn er Bedingungen nennt, dann stimmt das nie und nimmer, denn Er war nur zu richtigen Zeit am richtigen Ort und hat die richtigen Leute getroffen und das kann man nicht fosieren
Minimiert wird der Erfolg oder gelungenes leben durch ein ausgeprägtes Ego:  Vergleich, Hass, Gier, Neid,

Geheimnis: Nicht was wir tun, sondern wie wir es tun, mit welcher Einstellung wir etwas tun

Gedicht: Ralph Emerson: Ich gewinne mein Spiel, ich gewinne alle Spiele, wenn ich meinen Mitmenschen das schenken kann, das sie ihren eigenen Wert lehrt.

 


 









1.Predigt über 1. Mose 4,1-16                           
29.August 2021

Die Frage Gottes nach Menschlichkeit in einer gefährlichen Welt-                             
Ein Brudermord und seine Folgen


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! AMEN

Der heutige vorgeschlagene Predigttext führt uns ganz zum Anfang der Bibel zurück und zeigt auf erschütternde Weise die Welt, wie sie sich auch heute noch zeigt.

1. Mose 4, 1 – 16  Ein kaltblütiger Mord unter Brüder
Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des HERRN. Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.

 Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.      -wie reagiert er?
Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Komm, Bruderherz, lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.

Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde !!

Die Konsequenz: Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unruhig und flüchtig sollst du sein auf Erden. Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte.    
Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir's gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet.

Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, !!!! sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlüge, der ihn fände. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.

 

Willkommen in der Wirklichkeit. So ruft, ja so springt uns unser heutiger Predigttext mitten ins Gesicht. Ein Familiendrama, wie es heute genauso passieren könnte. Bedrückende Realität. Der Bericht über Kain und Abel ist weit mehr, als nur der Kriminalfall, bei dem ein Familienzwist tödlich endet.

Beide Brüder wachsen behütet auf, der eine wird Hirte, der andere Bauer. Und dann das Unfassbare, das Unvorstellbare. Ein Brudermord erschüttert die Schlagzeilen.

Unbegreiflich: Der Brudermord beginnt an einem Altar, wo beide Gott ein Dankopfer darbringen!

Heute würde die Schlagzeile so lauten: Mann tötet seinen Bruder nach gemeinsamem Gottesdienst auf dem Feldweg!!  95 % der Morde werden heute aufgeklärt.  Bleibt aber dieser Mord unter dem Vermerk: Ungeklärt bei den Akten liegen? Es gibt offensichtlich keinen Zeugen.

Was war dem Totschlag vorausgegangen? Ein Umstand, den Gott mit verschuldet hat? Denn: „Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.“ 

Am Anfang des eigentlichen Dramas steht für Kain die bittere Erkenntnis, dass Gott nur das Opfer von Abel annimmt. Und es ist an dieser Stelle erst einmal sehr wohl angebracht, Gott nach dem Warum zu fragen, auch wenn wir keine Antwort bekommen. Hat Kains Haltung gegenüber Gott nicht gestimmt? War alles nur religiöser Schein und Routine ohne Herzbeziehung?   

Trotzdem hat Kain die Freiheit, die Situation anzunehmen oder nicht.  Doch Kain sieht sich nur noch als den Zurückgestellten und er bleibt im wahrsten Sinne im Teufelskreis der Enttäuschungen.

So wird aus Neid, Wut ein Motiv: Eifersucht, so dass er zum Mörder des eigenen Bruders wird, statt sich mit Gott auseinander zu setzen und an seiner Haltung gegenüber Gott. Kaltblütig lockt er seinen Bruder in eine Falle und erschlägt ihn brutal auf dem Feld. Danach vergräbt er ihn unter der Erde. Von Reue keine Spur. Wer sollte ihn überführen? Ohne Zeugen keine Aufklärung.

 Aber es gibt einen Zeugen: Er hat in seinen blinden Hass nicht mit Gott gerechnet!!

Plötzlich und unerwartet tritt Gott auf den PLAN. Gott fragt: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist's nicht also?

Dann gibt es eine klare Ansage an ihn: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie, -sonst bist du ihr ausgeliefert und verloren.

So warnt Gott hier auch Kain: „Du, tritt nicht über die Schwelle. Du begibst dich sonst in eine Gefahrenzone!“  - GEFAHRENZONE: Minenfelder:
Wir kennen das, wir kennen diese Minenfelder: Abneigungen, Rachegefühle, Hassgefühle, Feindschaften, Wutgefühle, wir kennen Neid, Eifersucht, vielleicht hatte jemand von uns schon einmal Mordgedanken, auf jemanden, der ihn zu tief verletzt oder beleidigt hatte.

Gott warnt uns davor diesen Gefühlen Raum zu geben. Uns zu ärgern und benachteiligt zu fühlen, wenn anderen Gutes zustößt und wir als Verlierer dastehen.  Wenn wir diese Warnung ignorieren, laufen wir Gefahr, eine Schutzzone zu verlassen und ein gefährliches Minenfeld zu betreten. Denn wo wir über Gottes Güte anderen gegenüber ergrimmen, betreten wir ein Feld, wo die Sünde lauert! Sünde ist Denken, Reden und Handeln ohne und gegen Gott. Dazu will uns die Sünde verführen. Sie will uns dabei nicht gleich zu Mördern machen. Ihr genügt es oft schon, wenn sie uns zu selbstgerechten und selbstzufriedenen Menschen machen kann, die in ihren eigenen Augen besser und frömmer als andere sind.
Kain stand aber schon draußen auf dem Minenfeld. Gottes Warnung konnte ihn nicht mehr erreichen. Sein Neid konnte ungehemmt in Hass umschlagen und er dadurch zum Totschläger werden. Doch diese Geschichte ist damit nicht erledigt:

Es kommt die Frage aller Frage, mit der Kain niemals gerechnet hatte!!                
Gott fragt: Kain, wo ist dein Bruder Abel ?  Die Frage nach seiner Verantwortung, dem Bruder gegenüber! Ich muss immer bereit sein, Antwort zu geben, über mein Handeln oder Nichthandeln, für alles Unterlassen und für meine Lebenslügen. Und es stellt sich bei jedem die Frage nach meiner Schuld. 
Keiner, wirklich keiner konnte das ahnen. Keiner konnte sich Kain als Mörder vorstellen. Er war doch immer so ausgeglichen und nett zu den anderen. Ein liebenswürdiger Hirte, der an seinen Schafen hing…und jetzt soll er zum Mörder geworden sein?

Kain ist sich seiner Schuld und seiner Tat noch nicht bewusst: Er lügt frech und noch überheblich Gott an: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?

Ausreden, Ausreden, Ausreden:

Als die dreiste Mordausrede des Jahres titelte Bild 2014„Ich wollte Ramona K. nicht töten, ich habe sie aus Versehen erwürgt. Andre H. im Prozess 2014 gegen über dem Gericht. Er hatte sie vergewaltigt, getötet und im Wald verscharrt!“

Gott lässt keine Ausreden zu: „Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme   des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde!!“

Jedes vergossene Blut schreit zu Gott, jede Ungerechtigkeit, jedes Verbrechen wird gesehen, jede Tat gegen die Menschlichkeit und Gott leidet darunter enorm. Es schmerzt ihn!!Sein Herz wird zerrissen. Es zerbricht auch die Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Auf Augenhöhe mit Gott undenkbar- Sünde trennt

Warum hat der liebende Gott diese schlimme Tat nicht verhindert hat- ist einer der großen Fragen und Vorwürfen an Gottes Adresse.                                                         
Warum greift Gott nicht ein bei den vielen unzähligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, warum nicht in Afghanistan, wo die Taliban wieder ihren Hass gegen Frauen und allen Ungläubigen ausleben dürfen. An ihren Händen klebt viel Blut. Oder im Holocaust- 6 Millionen ermordete Juden, Täter waren Menschen wie du und ich- aufgestachelt, irrgeführt- Niemand hätte sich das so vorgestellt.

Das einzige, was tröstet:

Bei Gott gibt es kein ungeklärtes Verbrechen, kein ungelöster Mord, eine übersehende Ungerechtigkeit-Er sieht alles, weiter und tiefer. Jedes falsche Alibi wird widerlegt. Es ist ein offenes Buch, er sieht jede Hand, an der Blut klebt.

Kain`s Gewissen regt sich nun doch. Er verzweifelt jetzt doch mit seiner Schuld so von Gott überführt, wird kleinlaut und geständig!! Er fürchtet jetzt um Gottes Rache und dir Rache von Menschen, die ihn töten werden!

Aber Gottes Antwort ist aber einzigartig überraschend: Keine Rache!!!!! Moment mal! Keine Rache? Präsident Biden schwört Rache gegen die IS-Terroristen! in meinen Augen völlig zurecht!

Auch Gott verurteilt diesen Brudermord als Verbrechen klar und deutlich und verflucht ihn, aber der Mörder darf frei herumlaufen und bekommt sogar Personenschutz!                                                                                                       
Gott verhindert die Tat nicht - und doch stellt er sich eindeutig auf die Seite des Opfers. Er vergilt nicht Mord mit Tötung und doch straft er durch das Leben, in dem Kain ab jetzt ziellos und gottlos durch die Lande irrt, in dem das Leben zur Strafe wird. Denn mit der Schuld leben, kann schlimmer sein als der Tod. Er hat sein Zuhause, seine trauernde Familie, seine Freunde, seinen Besitz verloren.

Noch etwas Ungewöhnliches und Unfassbares für unsere Ohren und Augen geschieht:Der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände.

Kain bekommt eine 2, Chance!!!  -Vorzeichen -Gnade-Begnadigung ohne Grund
Dieses Zeichen brandmarkte ihn als einen, der Menschenblut vergossen hatte. Es markierte ihn aber zugleich als jemanden, der trotzdem eine zweite Chance bekommt, weil Gott zwar die Sünde hasst, aber den Sünder liebt! ER liebt Kain immer noch, weil er sein Menschenkind ist.-Diese Liebe ist nicht von dieser Welt!!!
Wir wissen nicht, wie das Kainszeichen aussah. Aber wir kennen das Zeichen, das Gott an jeden von uns gezeichnet hat! Bei unserer Taufe wurde es uns auf die Stirne gezeichnet als Brandmal der Schuld, die wir im Laufe unseres Lebens auf uns laden würden. Aber zugleich als Schutzmal der Liebe Gottes, die uns lebenslang gelten würde. Es ist das Zeichen Jesu: das Kreuz!
Das Blut Jesu, das er an einem Kreuz vor den Toren Jerusalems vergoss stellt alles auf den Kopf. Es verwirrt mich: Es schreit nicht nach Vergeltung und Rache. Es schreit nach Vergebung! „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“ Jesus bittet für seine Feinde, er bittet für seine Mörder!!! Was für ein Gott!!!!!Gott bittet auch für Taliban?

Es schreit: Erbarmen und Gnade für alle Mörder.Der zweite Mörder neben ihn hängend wird begnadigt, als er sich zu Jesus wendet: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein!!
Seit Jesu Tod auf Golgatha können wir alle zurückkommen vor das Angesicht Gottes und den Blick frei zum Himmel erheben: zum Warum? Weil Jesu Blut jedem Gottes Erbarmen und Gnade verspricht und schenkt.
Mit diesem Kreuz-Zeichen im Herzen und dem freien Blick darauf, leben wir im Schutzraum göttlicher Geborgenheit. Wir finden auch immer wieder die Kraft, der Sünde die Tür zu weisen, wenn sie uns verführen will, denn seine Liebe stärkt uns. So können wir alle Minenfelder überwinden und umgehen.

Gott sei Dank- Amen